Odyssee, Die
Christopher Nolan hat es wieder getan: Nach „Oppenheimer“ wagt er sich an den nächsten Monumentalstoff und beweist, dass er auch Jahrtausende alte Literatur in ein packendes Kinoerlebnis verwandeln kann. Matt Damon gibt einen Odysseus, der nach dem Fall Trojas verzweifelt nach Hause zu Frau Penelope (Anne Hathaway) und Sohn Telemachos (Tom Holland) will – und stattdessen von Zyklopen, Sirenen und einer ganzen Riege griechischer Götter aufgehalten wird. Was in schwächeren Händen zäh hätte werden können, gerät hier zum mitreißenden Abenteuer ohne eine einzige Länge.
Nolans Stärke zeigt sich einmal mehr in der Verschachtelung der Zeit- und Ortsebenen: Während Odysseus auf dem Meer gegen Kalypso, Circe und Polyphem kämpft, sucht Telemachos in Ithaka nach Spuren seines Vaters, und die Fäden laufen erzählerisch so geschickt zusammen, dass man selbst die aus der Schule bekannte Geschichte mit echter Spannung verfolgt und bis zum furiosen Finale mitfiebert. Dazu die gewohnt überwältigende Bildsprache – auf der großen Leinwand entfaltet der Film eine Wucht, die man so schnell nicht vergisst.
Um den Film selbst ist inzwischen eine lebhafte Debatte entbrannt, die mit dem eigentlichen Kinoerlebnis oft wenig zu tun hat. Wer sich davon nicht beirren lässt und einfach selbst ins Kino geht, bekommt großes, kompromissloses Erzählkino – eines der Film-Highlights des Jahres.
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