Sieben Jahrzehnte Kino in Butzbach

Manchmal bringen ein Geruch, ein Bild im Kopf oder ein Geräusch sofort ein Gefühl zurück: Frisches Popcorn, das schwere Dunkel des großen Saals, wenn das Licht erlischt, das leise Surren des Projektors, der die Leinwand aufleuchten lässt. Das ist Kino. Im Capitol und im Bambi passiert das heute noch genauso wie vor Jahrzehnten — mit dem einzigen Unterschied, dass die digitalen Projektoren heute nicht mehr surren. Große Bilder und große Geschichten bringen sie so oder so täglich auf die Leinwand – im selben Gebäude, in derselben Straße, in derselben Stadt.

Als Butzbach noch mehrere Kinos hatte

In den 1950er Jahren war Kinokultur in Deutschland praktisch Volkskultur — und die Kleinstadt Butzbach in der Wetterau mittendrin. An der Rossbrunnenstraße entstand das Capitol mit anfangs rund 580 Plätzen – genau dort, wo das Butzbacher Filmtheater auch heute zuhause ist. Wenige Meter nebenan, in der Hirschgasse, wurde mit dem Germania bzw. später Luxor ein kleineres Haus betrieben. Und auch am Butzbacher Bahnhof – dort, wo heute Busse ankommen und abfahren – gab es bis in die 1970er Jahre, bis zur Umgestaltung des Vorplatzes am Bahnhof, eine Kinospielstätte des Hessischen Hofs.

Die Gründerjahre: Das Capitol in der Rossbrunnenstraße

Das Capitol war in den 1950er Jahren ein gefragter und lebendiger Ort, familiär geführt: Fräulein Bauer an der Kasse trug noch per Hand die Platznummern auf den Kinokarten ein, und auch die Filmabrechnungen mit den Verleihern wurden von Hand erstellt. Werden Filme heute meist im Austausch per Telefon oder Mail mit den jeweiligen Disponenten der Hollywood-Studios sowie der europäischen und deutschen unabhängigen Verleiher ausgemacht, so schlossen die Butzbacher Kinomacher seinerzeit die Einsatzverträge für Filme persönlich bei den Niederlassungen der großen Studios in Frankfurt ab — Monat für Monat gings mit dem Zug zu den einzelnen Verleihern, mit langen Gesprächen an fremden Schreibtischen. Das Luxor in der Hirschgasse schloss Ende der 1960er Jahre, und auch die Lichtspiele des Hessischen Hofs hatten schließlich ihre letzte Vorstellung. Die Butzbacher Kinolandschaft konzentrierte sich auf das Capitol in der Rossbrunnenstraße.

Die 1970er Jahre: Umbau und Modernisierung

Mitte der 1970er Jahre wechselte das Capitol den Betreiber, eine Marburger Kinofamilie stieg ins Geschäft ein und brachte zugleich neue Strukturen mit: 1978 schloss das Kino für fast ein halbes Jahr zur Renovierung — für die neue Ausstattung, weniger Kinosessel, mehr Komfort für die Besucher. Das Capitol wurde moderner, blieb sich aber weiterhin treu. Mit dem Bambi-Saal bekam das Butzbacher Filmtheater 1978 einen zweiten Saal: das Capitol und das Bambi, wie man es heute kennt.

1985: Neustart und neue Wege

Im September 1985 endete die Ära der Marburger Kinomacher. Das Gebäude wurde an die Stadt verkauft, neue Betreiber starteten mit frischem Elan. Ein neues Kapitel begann Ende der 1990er Jahre durch den Einstieg von Ralf Bartel, der bereits seit 1987 während Schule und Studium mitarbeitete, als Kinobetreiber.

Heute: „State of the Art“-Filmtheater mit Charme

Das Capitol fasst heute nach der Renovierung seit 2023 rund 130 Plätze, das Bambi 34 komfortable Sofaplätze. Gemeinsam bilden sie das einzige Kino weit und breit, das seit über sieben Jahrzehnten Bestand hat — egal ob Videotheken-Boom, Multiplex-Konkurrenz, Pandemie oder Streaming-Konkurrenz. Dass das Butzbacher Filmtheater mit Capitol und Bambi das Kino ist, das geblieben ist, ist kein Zufall: Es ist zu einem modernen Kino, zu einem „State of the Art“-Filmtheater geworden, das neueste Technik mit Charme und Geschichte verbindet. Kommt, wir gehen ins Kino!